1. Die Suche nach dem Ochsen  

Trostlos in endloser Weite bahnt er sich auf und ab den Weg in wucherndem Gras und sucht seinen Ochsen. Weites Wasser, ferne Berge, und der Weg zieht sich endlos dahin.

Völlig erschöpft ist der Körper, verzweifelt ermattet das Herz; wo nur soll er suchen? Im Abendnebel hört er einzig Zikaden im Ahorn zirpen.

 

 

 

2. Erblicken der Spuren 

 

Im Wald und am Gestade des Wassers finden sich unzählige Fußspuren; sieht er wohl das zerteilte Gras? Selbst die tiefsten Schluchten der höchsten Berge können des Ochsen Nase nicht verbergen, reicht sie doch bis in den Himmel.

 

 

3. Erblicken des Ochsen 

 

 

Eine Nachtigall schlägt auf einem Zweig, warm scheint die Sonne, sanft weht der Wind, die Weiden grünen. Dort steht der Ochse, wo könnt' er sich verbergen? Das herrliche Haupt, die stattlichen Hörner, kein Maler kann solches je malen.

 

 

4. Einfangen des Ochsen

 

Fest muß der Hirt das Leitseil packen, darf es nicht loslassen, denn noch hat der Ochse schlimme Neigungen und wilde Kraft. Bald rennt er ins Hochland hinauf, bald läuft er tief in Stätten voller Dunst und Nebel und verweilt dort.

 

 

 

5. Zähmen des Ochsen 

 

Der Hirte darf Peitsche und Leitseil keinen Augenblick aus der Hand lassen, sonst läuft der Ochse davon in den Staub. Recht gezähmt jedoch, wird er sauber und sanft, gelöst vom Seil, folgt er willig dem Hirten.

 

 

 

6. Heimritt auf dem Ochsen 

 

Er reitet auf dem Ochsen heim in heiterer Gelassenheit. Den fernhinziehenden Abendnebel begleitet weithin der Klang seiner Flöte. Ein Klatschen, der Takt eines Liedes ist von unumschränktem Sinn. Wer diesen Sinn kennt, braucht der denn noch Worte? 

 

 

 

7. Der Ochse ist vergessen, der Mensch bleibt 

 

Heimkehren konnte er nur auf dem Ochsen, nun gibt es den Ochsen nicht mehr. Allein sitzt der Hirte, heiter und ruhig. Die rote Sonne steht schon hoch am Himmel, doch er träumt friedlich weiter. Unter dem Strohdach liegen nun Peitsche und Leitseil nutzlos herum.

 

 

 

8. Ochse und Mensch sind vergessen 

 

Peitsche und Leitseil, Ochs und Hirte gehören gleichermaßen der Leere an. Der blaue Himmel 8 ist so allumfassend weit, daß alles Mitteilen in ihm beinah endet. Ober loderndem Feuer kann keine Schneeflocke bestehen9. Ist diese Geistesverfassung erreicht, begegnet er endlich dem Geist der Patriarchen alter Zeit.

 

 

 

9. Zum Ursprung zurückgekehrt 

 

Er ist zum Ursprung zurückgekehrt, doch waren seine Schritte umsonst. Besser ist es für ihn, wie blind und taub zu sein11. In seiner Hütte sitzt er, sieht von all dem da draußen nichts. Die Ströme fließen, wie sie fließen, und rote Blumen blühen von selber rot.

 

 

 

10. Betreten des Marktes mit offenen Händen 

 

Mit entblößter Brust kommt er barfuß zum Markte. Schmutz bedeckt und mit Asche beschmiert, lacht er doch breit übers ganze Gesicht. Ohne Zuflucht zu mystischen Kräften bringt er verdorrte Bäume schnell zum Blühen .